Studentische Organisationen an der Universität Bern im 19. Jahrhundert

Vorgeschichte

ab 1528
Schola publica (gelehrt wurde Theologie, Hebräisch, Griechisch)
ab 1730
«Societas Studiosorum»: Gemeinschaft zur Betreuung der stud. Bibliothek
1739
«Deutsche Gesellschaft»: Gesellschaft mit Zweck der Sprachpflege
1743
«Vergnügte deutsche Gesellschaft»
1887
Auflösung der «Societas Studiosorum»
Im 18. Jh. war an der «Hohen Schule» in Bern keine Verbindung nach deutschen Vorbildern bekannt.

Die Studenten der Akademie (1805 - 1834)

Die Umwandlung der Hohen Schule zur Akademie im Jahre 1805 brachte den Studenten grössere Freiheiten. Sie versuchten auch neue, selbständige und unabhängige Studentenorganisationen zu schaffen. Die Form ihrer Organisationen lehnten sie den Vorbildern in Deutschland an.
In Bern wurde 1812 bekannt, dass an der Akademie eine regelrechte Burschenschaft mit eigenem Comment und Burschensprache bestand. Der Kanzler der Akademie löste diese studentische Verbindung sofort auf. Als sie sich aber bereits im selben Jahr wieder neu konstituierte, und dies dem Kanzler wiederum nicht verborgen blieb, bestrafte er die Betroffenen mit Karzer und Hausarrest. Allen Studierenden wurde bekanntgegeben, dass kein Orden, bei dem sich Burschikoses zeige, geduldet würden.
Wie an den meisten schweizerischen Hohen Schulen fanden sich auch die Studenten der Berner Akademie in verschiedenen Gruppen zusammen. Erst mit der Vaterländischen Turngemeinde (gegr. 1816, gilt als Gründungsdatum der heutigen Turnerschaft Rhenania, somit älteste Schweizer Verbindung) und dem Berner Zofingerverein wurden aber in Bern Vereinigungen gestiftet, die als eigentliche Verbindungen lange Zeit eine bedeutsame Rolle spielten.
Der Schweizerische Zofingerverein (gegr. 1819) gab sich betont republikanisch und wollte nicht durch besondere Formen Distanz zur übrigen Bürgerschaft schaffen. Neben der wissenschaftlichen Weiterbildung und der geselligen Unterhaltung widmete sich die Berner Sektion den damals noch neuen und verspotteten Turnübungen und nahm 1820 gar die Vaterländischen Turngemeinde in globo auf. Die Turngemeinde trennte sich aber bereits drei Jahre später wieder vom Zofingerverein und nannte sich Akademischer Turnverein, rsp. Studententurnverein.
In der Regeneration (1830/31) stellte sich der Zofingerverein zwar geschlossen in die Abwehr gegen befürchtete Interventionen fremder Mächte und bildete den Kern studentischer Freikompanien, im Innern aber konnte der Verein seine Einheit nicht bewahren. 1831 beschlossen die Luzerner ihren Austritt. Sie fanden, der Zofingerverein sei vor der Zeit alt geworden, und sie wandten sich gegen den aristokratischen Charakter eines Teils der Zofingersektionen. Am Pfingstmontag 1832 gründeten die Luzerner mit einer Minorität der Sektion Zürich die Helvetia. In Bern sammelten sich in der Helvetia die radikalen Juristen vom Land. Während die Zofinger einen liberal-konservativen Standpunkt vertraten, huldigten die Helveter radikal-demokratischen Ideen. In beiden Verbindungen spiegelten sich so auch die politischen Gegensätze der jungen Republik.

Die Verbindungen der Hochschule

in den dreissiger Jahren brach ziemlich unvermittelt das deutsche akademische Wesen, von dem man sich früher tunlichst ferngehalten hatte, an allen schweizerischen Hochschulen ein.
Die Verbindungsmitglieder begannen farbige Mützen und Band sowie die altdeutsche Tracht zu tragen, und an Stelle des Weintrinkens trat der Bierkonsum. Die Stiftungsfeier der Hochschule gipfelte fortan in einem grossen Kommers. In Nachahmung deutscher Studentensitten wurde das Pauken (Fechten) und Duellieren üblich; Duell, Comment, deutsche Studentenlieder sowie mancherlei typische Studentenutensilien (Stöcke, lange Pfeifen usw.) bildeten das Gepränge einer eigenen studentischen Kultur, die die Studentenschaft als besondere Gruppe sichtbar werden liess.

Das gesellige Verbindungsleben sowie politische Abgrenzungswünsche lockten die Studenten in den vierziger Jahren, eine Reihe neuer Verbindungen zu gründen. In Opposition zur Zofingia, deren Ausschliesslichkeit und Dominanz man innerhalb der allgemeinen Studentenschaft nicht mehr akzeptieren wollte, entstand die offenbar schlagende Rhätia. Das Korps löste sich 1847/48 endgültig auf. 1845 wurde von einem ausgeschlossenen Ex-Helveter, der alle «Kaffer» (Mitglieder ohne Gymnasialbildung) aus der Helvetia hatte entfernen wollen, die Tigurinia ins Leben gerufen. Bereits 1850 vereinigten sich Tigurinia und (Alt-) Helvetia wieder. Ebenfalls in Opposition zur «unpolitischen» Zofingia existierte 1848 die Rauratia, eine Verbindung mit Korpscharakter. 1849 entstand eine erste Verbindung mit den Namen Zähringia, die sich radikale Ziele setzte. Das 1846 herausgegebene «Burschicose Wörterbuch» nennt noch zwei weitere Verbindungen: die Tobingia und die Bernia. Das «Burschicose Wörterbuch», ein «unentbehrliches Handbuch für Lyceisten, Gymnasiasten, Penäler, [..] Füchse und Studenten, die forsche Häuser werden wollen [..],» führte Bern als die beste Hochschule der Schweiz auf und attestierte ihr unter anderem folgende Gütezeichen: «Fidelität: flott, Bier: gut, Comment: Hieb, Leben: billig, Wein: ausgezeichnet».
Im Jahre 1847 wurde die Rhodania als radikal-freisinnige Verbindung gegründet; sie fusionierte 1848 mit den Neu- Zofingern. Etwas später (1858) schloss sich die ein Jahr zuvor am Berner Gymnasium gegründete freisinnige Olympia mit der Helvetia zusammen.
Noch immer dominierte die Zofingia das Berner Studentenleben. Im Sommer 1847 aber, der Sonderbundskrieg stand vor der Tür, erhielt die Helvetia , die Verbindung der radikalen Studenten, Verstärkung, und zwar ausgerechnet aus dem Lager der verfeindeten Zofingia. Die Berner Zofinger-Sektion, die sich als weltanschaulich liberal und parteipolitisch neutral verstand, spaltete sich in eine konservative Mehrheit und eine radikale Minderheit. Die Minderheit verband sich mit einem Teil der Helvetia zur Neu-Zofingia und bezeichnete sich 1849 auch als Helvetia, und der weiterbestehende Teil der Helvetia nannte sich fortan Alt-Helvetia.
Die Studenten, selbstbewusst geworden, pflegten ihren eigenen, durch die deutschen Verbindungen inspirierten Stil und nahmen Anteil am öffentlichen und universitären Leben. Händel und Raufereien unter den Studenten gehörten auch nach dem grossen Bruch der Zofingia weiterhin zur Tagesordnung. Vorallem die als jugendlicher Jakobinerklub» verschriene Helvetia kreuzte mit der «allbekannten rot-weiss-rot bebänderten Schlafmütze», mit der Zofingia, die Klingen, und mit ihnen stritten befreundete Professoren und Zeitungen. Alle Versöhnungsversuche jedoch scheiterten.
Eine Solidaritätsadresse der Helveter, die sich gegen Pauschalanwürfe an die Adresse der Hochschule zur Wehr setzte, enthielt 1850 eine deutliche Spitze gegen den konservativen Alt- Zofingerverein. Als sich die Helvetia 1852 in Opposition hinter den wegen «politischer Wühlerei» verbotenen Grütliverein stellte, drohte die konservative Regierung kurzerhand mit dem Verbot von Verbindungen. Aber auch Zofinger hatten sich hinter den Präses der Helveter gestellt. Bei den Offizierswahlen für das Studentenkorps flackerte aber die Kämpfe zwischen der beiden verfeindeten Verbindungen wieder auf.
1860 griffen die Helveter die Rektoratsrede vom Dezember 1859 an. Der Philosophieprofessor, der die Rede gehalten hat, hatte in seinem Rückblick über die bewegten Jahre um 1848 und die politische Reaktion eine Erklärung des Gegensatzes zwischen Helvetia und Zofingia im Herkunfts- und Bildungsgefälle gesehen und politische Verhetzung und Prügeleien als negative Seite des Parteikampfes hervorgehoben.
Als 1878 die Altzofinger die Genugtuung darüber äusserten, dass endlich auch Altzofinger im Berner Regierungsrat Einsitz nehmen konnten, rechnete ihnen die «Berner Tagespost» im Gegenzug vor, dass in der letzten Zeit neun Altzofinger zu Professoren ernannt worden seien.
Einig waren sich die Studenten höchstens, wenn es darum ging, sich gegnüber den «Philistern» oder den «Hütern von Ruhe und Ordnung» zu behaupten. Als die Polizei im Februar 1841 beim Theater ein paar Uebermütige verhaftete, wandten sich die Studenten an den Senat und drohten, die Universität zu verlas sen. Der Senat, in Angst vor einem Exodus und in Verteidigung elitärer akademischer Vorrechte, gab zwar ein Verschulden der Studenten zu, erklärte aber trotzdem das Benehmen der Polizei für unentschuldbar. Bereits wurden Legitimationskarten für Studenten gefordert.
Der Überschwang der politischen Sturmjahre verebbte, Zofinger und Helveter führten ihre Händel nur noch zur Behauptung ihrer Farbenehre, doch Studenten und Polizei gerieten weiterhin aneinander. In einer Februarnacht von 1863 kam es am Ständeli, dem Treffpunkt der Studenten beim Zeitglockenturm, zu einer schweren Schlägerei. Die Landjäger waren rauh mit den Studenten umgesprungen, die wiederum drohten, die Berner Universität zu verlassen, falls man ihre durch die Polizei verletzte Ehre nicht wiederherstelle. Die Polizisten wurden bestraft, Rektorat und Senat nahmen die Studenten unter Schutz.

Schliesslich wurde die bereits 1841 geforderte Legitimationskarte eingeführt, eine Art Blankoscheck für Studentenstreiche. Mit der Karte konnten sich die Studenten als Hochschulangehörige ausweisen und wurden fortan zur leichten Bestrafung dem Senat und nicht der Polizei übergeben.
Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Studentenzahlen rascher anstiegen, vor allem auch durch den Zuzug ausländischer Studenten und Studentinnen, änderte sich auch das Gesicht der Studentenschaft. Studentenvereine ohne Verbindungscharakter entstanden, und gleichzeitig wurde das Bild studentischer Verbindungen immer bunter. Der deutsche Burschenstil blieb selbstverständlich, Verbindungsrituale und studentische Sitten liessen das politische Bewusstsein in den Hintergrund treten. Mensurwesen und Comment waren an die Stelle der wissenschaftlichen Tätigkeiten getreten, Kneipordnungen dominierten die Sitzungen.
Zahlreiche neue kleinere Verbindungen entstanden neben den grossen Zofinger und Helveter. Schon 1862 gründeten Rechtsstudenten bäuerlicher Herkunft und freisinniger Richtung die Concordia. 1865 konnte sich auch der katholisch- konservative Schweizerische Studentenverein (SchwStV) im bis dahin exklusiv protestantischen Bern mit einer Sektion festsetzen, die 1883 den Namen Burgundia annahm. Die achtziger und neunziger Jahre führten zu einer eigentlichen Gründungswelle. Im selben Jahr (1881), in dem die BERNA gegründet wurde, gründeten die christkatholischen Studenten ihren theologischen rsp. katholischen Studentenverein, der sich nach der Jahrhundertwende Catholica Bernensis nannte. Zum ersten Mal trug die Amicitia, eine Sektion des katholischen Studentenvereins im Wintersemester 1884/85 Farben. 1883 gründeten mathematisch und naturwissenschaftlich interessierte Studenten, die meist die Lehramtschule absolviert hatten, den Akademisch-naturwissenschaftlichen Verein, der 1890 zu Ehren Albrecht von Hallers in Hallerania bzw. später Halleriana umgetauft wurde. 1888 fanden sich die evangelisch-positiven Studenten nicht nur im elitäreren und allgemeineren Zofingerverein, sondern auch in der Zähringia. 1889 wurde die Veterania, die Verbindung der Veterinärmediziner, gegründet, nachdem eine alte Veterania ungefähr ab 1855 bestanden hatte. In der Berner Sektion der Stella sammelten sich 1895 erstmals in der Bundeshauptstadt welsche Studenten. Die Libertas wurde 1895 die Verbindung der Abstinenten. 1898 entstand der Vorläufer der Berner Singstudenten, der zu dieser Zeit allerdings als Wildenchor eher das Gegenteil einer Verbindung war. 1900 führte er den Comment, 1907 die Farben ein und nahm 1912 den Namen Berner Singstudenten an. Nachdem die 1816 gegründete Vaterländische Turngemeinde, der spätere Studententurnverein, bereits 1875 beschlossen hatte, Farben zu tragen, wandelte sich der Verein 1889 vollends zur schlagenden Couleurverbindung und nannte sich ab 1900 Turnerschaft Rhenania.
Innerhalb dieser vielen Verbindungen schied die «Satisfaction», d.h. die Frage der Verwerfung des Duells, die Studenten in zwei Gruppen.
In der Oeffentlichkeit war der Student noch immer der Verbindungsstudent, durch Mütze und Band gekennzeichnet. Die sogenannten Wilden bildeten, zusammen mit den Studentinnen, schon damals die grosse Mehrheit der Studentenschaft. Um 1900 trugen von den rund 700 Studenten an der Universität Bern ungefähr 200 Farben. Neben den traditionellen Verbindungen entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts denn auch Vereine mit ungebundenen Formen. Das gemeinsame Band der Mitglieder dieser Vereine bildeten dieselbe religiöse oder politische UEberzeugung, die gemeinsame Heimat, sportliche oder kulturelle Interessen.
Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wild wuchernde deutsche Studentenstil erfuhr 1865 einen ersten Dämpfer, als das bernische Strafgesetz das Duell unter Verbot stellte. Im gleichen Jahr untersagte der Zofingerverein gesamtschweizerisch das Duellieren. Auch der katholische Studentenverein schloss sich dem Verbot an. Die Helvetia hingegen hielt am Duell fest. Weil nun die Zofinger nicht mehr «satisfactionsfähig» waren, musste man Konflikte, die um studentische Ehrenstrafen gingen, in Prügeleien austragen. Zwar war der «gegenseitig verabredete Zweikampf» nach Strafgesetz verboten, er konnte aber von Amtes wegen nur verfolgt werden, wenn er eine grobe Entstellung, eine längere Arbeitsunfähigkeit oder eine dauernde Körperverletzung zur Folge hatte. Natürlich zeigten sich die Studenten nie an und kümmerten sich wenig um das Verbot. Sie hielten ihre Mensuren auf dem Schänzli, in der Wirtschaft zum Schweizergarten usw. ab.
Ende der siebziger Jahre kamen das übertriebene Paukwesen, die an sich verbotenen Mensuren, öfters zur Sprache, und bald begannen sich die Anzeichen zu häufen, dass die Bevölkerung den rüden Ton, die Trinksitten und den Ehrenkodex vor allem der schlagenden Verbindungen nicht mehr hinnehmen wollte.

1888 kam es zu einer Massenpaukerei zwischen bernischen und deutschen Studenten in Freiburg i. Br. und einem Zweikampf mit Säbel, der mit schweren Verwundungen endete.
Das Reglement von 1868 räumte der Erziehungsdirektion gegnüber den Studenten keine Strafkompetenz ein. Sie war zwar die Behörde, welche die strengste Strafe, die Relegation, auszusprechen hatte, dies aber nur auf den Antrag der Hochschule. Dort deckten aber Alte Herren das Paukwesen.
Parallel zum Kampf gegen das Duell begann in den neunziger Jahren auch der Kampf gegen den übermässigen Alkoholkonsum der Studierenden. Es wurde darauf aufmerksam gemacht, dass in der Schweiz soviel vertrunken werde als die gesamten Staatsausgaben der Kantone und des Staates zusammen ausmachten. Gerade die «gebildeten Klassen» seien am Uebelstand schuld, indem sie übermässigen Alkoholkonsum gesellschaftsfähig gemacht hätten. Die abstinenten Studenten schlossen sich zur späteren Libertas zusammen, einige Verbindungen verzichteten auf den Trinkzwang.

Die Academia

Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte der schweizerische Zofingerverein den Anspruch vertreten können, für die gesamte studierende Jugend der Schweiz zu sprechen. Die Spaltung des Zofingervereins 1847 verbot es aber dann, den Traum einer sichtbaren Einheit der Studierenden zum realen Programm zu erheben. An Versuchen, die Berner Studenten zu vereinigen, hatte es nicht gefehlt. 1844 scheiterte die Gründung eines Gesamtvereins. Zwei Jahre später misslang der Versuch, die Verfeindeten im Schweizerischen Akademischen Verein zusammenzufassen, ebenso wie 1849 die Schlichtungsversuche des Rektors.
Anlass zur Gründung der Academia im Jahre 1858 gab u.a. die Opposition der Studentenschaft gegen die Einschränkung der Lernfreiheit (Vorlesungszwang). In diesem Jahr wurde unter dem Namen der Academia ein allgemeiner Studentenverein mit einem ständigen Ausschuss ins Leben gerufen. Der Zusammenschluss der Berner Studentenschaft auf der Grundlage der Academia sollte aber nicht von allzu langer Dauer sein. Zwei Fragen waren es vorallem, die diesem losen Zusammenschluss den Todesstoss versetzen sollten: die Studentenkrankenkasse, deren Verwaltung eine praktische Aufgabe der Academia war, sowie die Frage der Vertretung der «Wilden».
Die Wilden, d.h. die nichtfarbentragenden Studierenden, fühlten sich vom hergebrachten studentischen Rahmen ausgeschlossen und gründeten, wie auch an anderen Universitäten, gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Wildenschaft. Zur Gründung der Academia wurde die Wildenschaft nicht begrüsst. Sie wirkte nachträglich aber trotzdem mit, fühlte sich jedoch arg benachteiligt. Der Vorstand der Academia wurde aus je einem Vertreter der farbentragenden Verbindungen sowie drei Chargierten zusammengesetzt, welche die Wilden aus ihrer Mitte wählen konnten. Die Spannung entlud sich im Tumult. Am Stiftungskommers von 1898, der zur Feier des Dies Academicus abgehalten wurde, kamen zwischen den Couleurikern und den Wilden Zwistigkeiten vor, die vom Wortwechsel zu Keilereien und schliesslich zur Räumung der Galerien führte, wo die Wilden Platz genommen hatten. Der Streit zwischen Korporationen und Wilden war nicht mehr zu schlichten. Nach vierzigjährigem Bestand löste sich die Academia Ende 1898 als Folge des Konflikt zwischen Verbindungen und Wildenschaft auf. Die farbentragenden Verbindungen schlossen sich bereits 1899 zum Corporationen-Convent zusammen.

Quelle: Semesterarbeit "Die Universität Bern im 19. Jahrhundert", 1987
basierend auf: Hochschulgeschichte Berns (1528-1984)